Falsche Gefühle, echte Kunst
„False Emotion“: Künstler aus drei Kontinenten zeigen ihre Arbeiten im Kunstbunker Tumulka
Wenn man von falschen Emotionen spricht, denkt man zunächst an Täuschung. Wenn aber durch gespielte Gefühle, wie im Theater oder im Spielfilm, echte Gefühle beim Betrachter entstehen, dann wird die Sachlage komplizierter. Auch in der Kunst werden Emotionen nicht einfach widergespiegelt, sondern medial, mit bildnerischen Mitteln konstruiert. Und ist nicht jeder Gefühlsausdruck kodiert und sozial geregelt? „False Emotion“ heißt nun der Titel der neuen Ausstellung im Kunstbunker Tumulka. Da die beteiligten Künstler aus drei Kontinenten stammen, setzen sie sich auf sehr unterschiedliche Weise mit dieser Thematik auseinander. Ganz direkt greift sie Gesine Braun gleichzeitig die Kuratorin in ihrem Video „Smoke“ auf. Darin spricht eine Frau in unterschiedlichem Tonfall die Worte „Ich liebe dich“, eindringlich flüsternd bis wütend schreiend. Trotz der extremen Theatralik berührt das Artikulierte.
Zahlreiche Exponate beziehen sich auf den Film. Mabel Palacin aus Barcelona führt uns in seinem Video auf poetische Weise vor und hinter die Kinoleinwand. Die Arbeit wechselt zwischen dem Erzeugen von Illusion und ihrer Dekonstruktion. Ein Büro der Firma „milleniumpanicpictures“ hat Duncan Ganley aus Houston eingerichtet. Der Besucher erfährt dort Details über einen verloren gegangenen Film und Angaben über den Regisseur Martin MacAnally. Hier zweifelt man weniger an der Wahrheit von Gefühlen, sondern an der realen Existenz des Unternehmens.
Auch wenn die Ausstellung Videos und Installationen präferiert, lassen sich Fotoarbeiten und sogar ein Gemälde finden. Die inszenierten Fotos von Qingsong Wang verblüffen. Ein langer Streifen mit Episoden der meist gleichen Darsteller zeigt leicht bekleidete Frauen mit gefärbten Haaren, die musizieren, tanzen oder einem Mann die Füße waschen. In ihrer Künstlichkeit wirkt diese Szenerie wie eine moderne Version der Peking-Oper, die eine ganz eigene Form gefunden hat, Gefühle darzustellen, egal, ob man sie als falsch oder echt tituliert. (Prinzregentenstraße 97A, bis 21. Dezember; Performance von Riikka Jokiaho, 7. Dezember.)
JUSTIN HOFFMANN